RB Eurasia 20: Shanghai

Neuigkeiten & Sichtungen auf den ausländischen Schienen
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Helmut Uttenthaler
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RB Eurasia 20: Shanghai

Beitrag von Helmut Uttenthaler »

Donnerstag 1. September 2005


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| Bahnhof | Ankunft | Abfahrt | Zug |
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| Beijing km 0 | | 19:43| T109 |
| Xuzhou km 814 | 02:56| 03:04| |
| Changzhou km 1298 | 07:37| 07:40| |
| Wuxi km 1337 | 08:06| 08:09| |
| Shanghai km 1463 | 09:15| | |
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Kurz vor dem Bahnhof Wuxi wachen wir auf. Die Landschaft draussen ist eher eintönig und erinnert irgendwie an die Poebene in Italien. Das liegt sicher auch am dunstigen Wetter. Interessanterweise ist die Strecke nicht elektrifiziert – das überrascht mich schon etwas, dass eine Stadt wie Schanghai nicht vom Schnürl erreicht wird.

Mit ca. 15 Minuten Verspätung kommen wir schliesslich in Shanghai an.
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12202 Bahnkilometer seit Graz liegen hinter mir – das Ziel der langen Reise ist erreicht. Shanghai ist aber nur insofern Ziel, als es sich um den südlichtsten, östlichsten und von Graz am weitesten entfernten Punkt der Reise handelt:
31,2 Grad Nord, 121,5 Grad Ost, 8607 Kilometer Luftlinie von Graz entfernt

Nun beginnt zwar die „Heimreise“, für die wir uns aber noch einige Höhepunkte aufgehoben haben.

Vorerst aber zurück nach Schanghai.

Hier noch das Wagenlaufschild unseres Zuges:
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Am Nebengleis sehe ich noch einen reinen Tageszug mit Softseater-Waggons:
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Wir machen uns auf den Weg in die Schalterhalle um für morgen die Fahrkarte nach Xian zu kaufen. Wir finden den englischen Schalter, was aber gar nicht nötig gewesen wäre, denn ein netter Einheimischer fragt uns auf englisch, ob er uns beim Fahrkartenkauf helfen kann. Wir nehmen dankend an und er übernimmt dann für uns die Kommunikation mit dem Schaltermensch.

Der Bahnhof ist von aussen eher unscheinbar. Schon ganz nett, aber bei weitem nicht so beeindruckend wie Pekings Bahnhöfe:
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Zum Übernachten haben wir uns das „Hiker Youth Hostel“ ausgesucht. Schon in Peking haben wir im Hostel dort aufliegende Flyer anderer Hostels in China mitgenommen, das ist sehr praktisch, denn dort steht auch wie man vom Bahnhof am besten hinkommt. Wir wählen diesmal den Öffentlichen Verkehr, da wir mit der Buslinie 64 ohne Umsteigen zum Hostel fahren können.

Der Bus ist sehr modern, klimatisiert und die Haltestellen werden auch auf englisch angesagt. Bei der Haltestelle „Middle Jiangxi Road“ steigen wir nach ca. halbstündiger Fahrt aus. Danach sind es nur mehr 5 Minuten zu Fuss bis zur Jugendherberge:
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Die Übernachtung kostet 5 Juan und wir bekommen ein sauberes, modern eingerichtetes Zimmer mit eigener Dusche und WC.

Danach gehen wir in der Nähe irgendwo essen und beginnen anschliessend unseren kleinen Sightseeingtrip.

Unweit der Jugendherberge – die Architektur im Zentrum Shanghais macht schon einen sehr europäischen Eindruck:
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Wir spazieren Richtung Bund, der Flusspromenade von Shanghai. Von dort unterqueren wir dann den Huangpu-Fluss mittels des sogennanten „Bund Sightseeing Tunnels“. In kleinen Kabinen fährt man durch einen Tunnel und es gibt allerhand Licht- und Soundeffekte. Das beeindruckt uns aber eher nicht, für uns der Tunnel eher Mittel um ans andere Ufer zu kommen. Es gäbe dazu allerdings auch andere Möglichkeiten.

Unser Ziel ist der Oriental Pearl Tower (http://de.wikipedia.org/wiki/Oriental_Pearl_Tower), der 468 Meter hohe Fernsehturm von Shanghai:
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Der Stadtteil Pudong wird von Hochhäusern dominiert. Bekannt ist auch noch der Jin Mao Tower (http://de.wikipedia.org/wiki/Jinmao-Geb%C3%A4ude):
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Die Liftfahrt auf den Oriental Pearl Tower kostet 100 Juan. Das ist für chinesische Verhältnis ein Vermögen, aber wir lassen uns die Gelegenheit nicht entgehen und fahren hinauf.

Der Ausblick von oben ist toll:
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Wir befinden uns in 350 Metern Höhe – gegenüber der Jin Mao Tower:
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Nach diesem Höhenflug kehren wir zurück auf die andere Seite des Huangpu-Flusses. Hier, vom Bund, hat man noch mal einen guten Ausblick auf den Oriental Pearl Tower:
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Wir spazieren weiter in Richtung Fussgängerzone. Dabei entdecke ich über einer Kreuzung diesen Drahtverhau aus O-Bus-Oberleitungen und anderen Drähten:
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In der Fussgängerzone:
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Baugerüst aus Bambusstäben:
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Danach spazieren wir noch ein bisschen in der Altstadt mit traditionellerer Architektur herum und fahren schliesslich mit dem Taxi zum Hostel.

Am Abend sehen wir uns dann noch den Jinmao-Tower genauer an. Dort gibt es nämlich die angeblich höchste Bar der Welt. Sie gehört zum Grand Hyatt Hotel, welches sich vom 53. bis zum 87. Stock ausstreckt. Die Bar „Cloud no. 9“ befindet sich im 87. Stock und ist auch für Nichthotelgäste offen.
Siehe http://shanghai.grand.hyatt.com/hyatt/hotels/index.jsp

Wir bemühen uns, halbwegs zivilisiert auszusehen, was beim eingeschränkten Kleidungsrepertoire, das man als Backpacker bei sich hat, nicht ganz so einfach ist. Wir fahren mit dem Taxi hin und wir kommen dann auch ohen Probleme hinein bzw. hinauf.
Das Flair ist natürlich recht exklusiv, und angesichts des Preisniveaus ist es auch kein Problem, die Mindestkonsumation in der Höhe von 130 Juan pro Gast zu überschreiten. Aber man gönnt sich ja sonst nichts, manchmal ist ein bisschen Luxus drin...

Lichterspiele aus dem 87. Stock:
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Irgendwann verlassen wir dann Cloude No. 9 und kehren ins Backpacker-Leben zurück.
Hier noch ein Blick vom 87. hinunter in den 53. Stock, wo sich die Hotellobby befindet. Der Jin Mao Tower hat innen also einen Hohlraum oberhalb des 53. Stocks:
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Mit dem Taxi fahren wir zurück, wir sind dann gegen 1 Uhr nachts beim Hostel.


Freitag 2. September 2005


Heute steht ein besonderer Höhepunkt der Reise an: Eine Transrapid-Fahrt mit 430 km/h zum Flughafen und zurück.

Wir fahren mit der U-Bahn zum Ausgangsbahnhof „Longyang Road“ des Transrapid. Die Hin- und Rückfahrt kostet 80 Juan:
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Fahrkartenkontrolle:
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Am Bahnsteig – diesen Zug versäumen wir knapp, aber mit dem nächsten können wir 15 Minuten später mitfahren:
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Übersicht über die Station:
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Unser Zug bei Ankunft vom Flughafen kommend:
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Im Zug:
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Um 11:00 fahren wir ab und erreich nach ca. drei Minuten die Höchstgeschwindigkeit von 431 km/h:
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Dazu gibt es auch ein Video: http://www.youtube.com/watch?v=tRtacCrw1fk
Leider hat da bei youtube der Ton ein paar Sekunden Verspätung, so dass das zur Zugbegegnung gehörende Geräusch nicht im richtigen Moment zu hören ist.

Die Höchstgeschwindigkeit wird aber nur für ca. eine Minute gehalten, dann muss schon wieder abgebremst werden. Der Flughafen wird schliesslich nach sieben Minuten Fahrzeit erreicht. Zur Länge der Strecke habe ich im Internet widersprüchliche Angaben zwischen 30 und 37 Kilometern gefunden.

Wir sehen uns auch ein bisschen am Flughafen Pudong um:
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Anschliessend fahren wir zurück nach Shanghai. Im Hostel angekommen packen wir noch schnell unsere Rucksäcke, denn schon heute Nachmittag verlassen wir Shanghai schon wieder. Heute verabschieden wir uns auch von Doreen, sie kann aus zeitlichen Gründen (Beruf) nicht die ganze Reise mitfahren und bleibt noch eine Nacht in Shanghai, bevor sie dann morgen zurück nach München fliegt.

Wir gehen noch mal gemeinsam Essen. Anschliessend fahren wir gegen 15 Uhr zum Bahnhof.

Hier beginnt nun ein fünftägiger „Ritt“ der uns 5451 Kilometer weit quer durch China in die zentralasiatische Metropole Alma-Ata katapultieren wird:
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Moskau – Severobajkalsk war zwar eine ungefähr gleich lange Strecke, doch bei weitem nicht so kontrastreich. Die nun bevorstehende Fahrt wird in Bezug auf Leute, Land und Klima doch sehr von Kontrasten geprägt sein.

Nur in Xian und Urumchi sind Aufenthalte eingeplant, dort kommen wir jeweils in der Früh an und am Abend geht es weiter.

Unser China-Programm ist zugegebenermassen recht knapp, aber wir wollten bei der Quantität unserer Reiseziele keine Abstriche machen. Dass ich mir China noch mal genauer ansehen muss, ist ohnehin klar. Auch aus eisenbahntechnischer Sicht gibt es da noch Strecken, die man einfach mal gefahren sein muss. Ich denke da an die Neubaustrecke nach Tibet oder an die Strecke Chengdu – Kunming.

So mancher wird sicher denken, dass es sinnvoller wäre, sich auf ein Land zu konzentrieren und andere Länder bei anderen Reisen zu besichtigen. Ich verfolge hingegen eine Viel-auf-Einmal-Philosophie, da ich die Kontraste und natürlich die Fahrten zwischen den Orten sehr interessant finde.

Die Fahrkarte für die erste Etappe bis Xian:
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Das ist der Fahrplan bis Xian:

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| Bahnhof | Ankunft | Abfahrt | Zug |
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| Shanghai km 0 | | 16:19| T138/139 |
| Suzhou km 84 | 17:06| 17:10| |
| Wuxi km 126 | 17:33| 17:37| |
| Changzhou km 165 | 18:04| 18:08| |
| Nanjing km 303 | 19:25| 19:29| |
| Bengbu km 484 | 21:15| 21:23| |
| Zhengzhou km 998 | 02:10| 02:18| |
| Sanmenxia West km 1267 | 05:38| 05:44| |
| Weinan km 1453 | 07:56| 07:58| |
| Xian km 1509 | 08:39| | |
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Nochmal der Bahnhof von Shanghai:
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Beim Eingang gibt es wieder die lästigen Gepäckkontrollen...
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....danach geht es über Rolltreppen...
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....zu den Warteräumen. Unser Zug ist der T138 und wir sind im Waggon 5, also Warteraum 7:
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Blick vom Warteraum auf einen Doppelstockzug:
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Wir kaufen noch ein bisschen Proviant ein, dann ist es soweit und wir können einsteigen. Da bis zur Abfahrt noch ein bisschen Zeit ist, steige ich - nachdem ich den Rucksack im Zug abgestellt habe – noch kurz aus und fotografiere ein bisschen.

Am Nebenbahnsteig steht ein normaler buchstabenloser Zug mit grünen Waggons. Der auf dem Foto sieht auch sehr verdächtig nach Ammendorf aus:
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Früher sahen alle chinesischen Züge so aus, doch deren Erscheinungsbild hat sich den letzten Jahren massiv gewandelt.

Unser Zug ist ein T-Zug mit neueren blau-rot-weissen Waggons:
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Interessanterweise macht der Bahnhof von Shanghai bei weitem keinen so gepflegten Eindruck wie die beiden Pekinger Bahnhöfe:
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Wie schon erwähnt, herrscht in Shanghai Dieseltraktion. Hier eine DF4D:
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Diese DF11 bespannt unseren Zug:
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Gepäckverladung bei einem anderen Zug:
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Schliesslich heisst es dann einsteigen und die Reise gen Westen beginnt. Auch in diesem Zug haben nach den guten Erfahrungen auf der Fahrt von Peking Hardsleeper gebucht. Der Waggon unterscheidet sich innen aber ein bisschen, denn die Abteile sind noch offener. Es gibt nicht nur keine Tür, sondern auch keine Trennwand zum Gang hin. Aber das ist eigentlich auch kein Problem:
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Ich fotografiere hier auch noch mal die Markierungen zum Feststellen der Kinderermässigungsberechtigung:
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Die ersten drei Stunden verbringen wir im Abteil. Ich kann leider nicht mit den typischen Zug-in-Kurve-Fotos dienen, denn aufgrund der Klimaaanlage kann man die Fenster nicht öffnen. Langweilig wird es aber trotzdem nicht, wir vertreiben uns die Zeit mit dem Erstellen eines kleinen Österreichisch-Deutsch-Wörterbuches. Bei einer gemischten österreichisch-deutschen Reisegruppe ergeben sich natürlich immer wieder lustige Diskussionen über Bedeutungsunterschiede, die wollen wir nun schriftlich festhalten...
Veronika und ich können z.B. nicht verstehen, dass unsere deutschren Freunde überallhin „laufen“, wo doch gehen viel gemütlicher ist. Die hingegen finden unser erl-Wörter sehr lustig: Zuckerl, Sackerl, Pickerl, etc.
Für Unterhaltung ist also immer gesorgt... ;-)

Irgendwann werden wir dann aber hungrig und gehen in den Speisewagen:
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Das Bestellen ist wieder etwas kompliziert, aber wir bekommen was Gutes zu essen.

Nochmal der Seitengang des Waggons:
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Waggonübergang:
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Wir sitzen noch eine Weile gemütlich zusammen:
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Zu uns gesellt sich dann noch die Schaffnerin vom Nebenwaggon. Unsere Schaffnerin, die nicht englisch spricht, hat ihr anscheinend gesagt, dass es hier Ausländer gäbe. Sie tratscht dann einfach ein bisserl mit uns, erzählt dass sie eigentlich studiert. Vermutlich arbeitet sie nun in den Ferien bei der Eisenbahn. Auf jeden Fall eine ganz nette. Falls wir irgendetwas brauchen oder ein Problem hätten, sollen wir uns einfach an sie wenden, sagt sie.
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Damit endet dieser Teil des Reiseberichts.

Fortsetzung folgt.
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