Um 6 Uhr stehen wir heute auf. Nach Morgentoilette und Frühstück verlassen wir gegen 7 Uhr das UB Guesthouse und fahren mit dem Taxi zum Bahnhof.
Eine knappe Stunde vor der Abfahrt sind wir schon dort, der Zug ist noch nicht bereitgestellt. Am Hausbahnsteig sind aber schon etliche Fahrgäste versammelt.
Morgenstimmung am Bahnhof von Ulan-Bator:



Schliesslich wird dann unser Zug bereitgestellt:


Das ist der Fahrplan für die 1561 Kilometer bis Peking:
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| Bahnhof | Ankunft | Abfahrt | Zug |
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| Ulan-Bator | | 8:10| 24 |
| Chojr | 12:30| 12:45| |
| Sajn-Sanda | 15:55| 16:30| |
| Dsamin-Ude | 20:05| 21:35| |
| Erljan | 21:00| 0:42| |
| Cszininnan | 5:15| 5:28| |
| Datong | 7:14| 7:22| |
| Chjancszyakounan | 9:49| 9:58| |
| Kanchjuan | 11:33| 11:53| |
| Nankou | 13:17| 13:30| |
| Peking | 14:31| | |
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Neben dem einmal wöchentlich verkehrenden chinesischen Zug 4 von Moskau nach Peking gibt es zwischen Ulan-Bator und Peking in der selben Fahrplantrasse noch Zug 24. Dieser fährt im Winter einmal, im Sommer zweimal wöchentlich.
Die Fahrkarten für diesen Zug sind sehr begehrt, wir haben gehört, dass er bereits für ein ganzes Monat lang ausgebucht sein soll. Viele Touristen versuchen es daher mit Zug 34 (Ulan-Bator – Hohhot, das ist in der Inneren Mongolei in China) und dann weiter mit einem chinesischen Inlandszug. Oder gleich mongolischer Inlandszug bis Zamyn Uud, irgendwie über die Grenze und dann chinesischer Inlandszug Erlian – Peking. Soll angeblich auch viel billiger sein als der direkte Zug. So etwas kommt einem doch bekannt vor, erinnert mich an Vorteilsticket bis Wurschtdorf Grenze und Inlandsfahrkarte ab Ceske Irgendwas...
(siehe http://groups.google.com/group/at.verke ... f0f85a75e3)
Wir sind aber trotzdem froh, dass wir Fahrkarten im vorhinein organisiert haben und so ohne Umsteigen bequem nach Peking fahren können.
Hier übrigens noch mal die Fahrkarte mit allen Komponenten:
MTZ-Kuvert und die Buchfahrkarte:

Nochmal das Kuvert:


Bettkarte:

Bettkartenquittung:

Fahrkarte:

Da wir noch nicht gleich einsteigen dürfen, schaue ich mir inzwischen den Zug genauer an:


Der Speisewagen:


Die Lok wird angehängt – 2M62 020:


Made in USSR:

Beim Ankuppeln:

Interessant ist hier noch die Kleidung des interessierten Mongolen sowie der Waggonübergang – sieht mir nicht nach Gummiwulst aus.
Noch einmal der Zug in der Morgensonne:

Ganz kurz schau ich dann noch in den Bahnhof, dort kommt mir noch ein Schliessfach unter, wie man es auch in der ganzen ehemaligen Sowjetunion kennt:

Schliesslich steigen wir dann ein. Unser Waggon befindet sich im hinteren Zugteil. Der Zug besteht ausschliesslich aus relativ neuen Ammendorf-Waggons. Unserer ist Baujahr 1995. Einen derart gut gepflegten Ammendorf-Waggon habe ich bisher in Russland noch nie gesehen:
Seitengang:

Unser Abteil:

Deutsche Waggonbau AG, Werk Ammendorf:

Florian und ich sind zusammen mit einer Mongolin und ihrer Tochter im Abteil. Letztere fährt nach Peking zur Uni.
Die Mädels habe noch eine Schweizerin im Abteil, die sich furchtbar aufregt, weil sie nicht mit ihrem Freund im gleichen Abteil ist. Tja, Pech, wahrscheinlich zu spät gebucht...
Ausfahrt aus Ulan Bator:

Vorbei an russischen Yukos-Kesselwagen...



Schon bald nach Ulan-Bator ist die Landschaft so, wie man sich die Mongolei vorstellt – Grasberge:

Ein Blick vor zur Lok:

Die Strecke ist ziemlich gut ausgelastet, fast an jedem Kreuzungsbahnhof (die liegen aber recht weit auseinander) kommt uns irgendein Zug entgegen.
Eine knappe Stunde nach Ulan-Bator kommt uns in einer S-Kurve dieser lange Inlandszug entgegen:


Weiter geht es...







Ein kurzes Video:
http://www.youtube.com/watch?v=8hpy0Pv9plc
Leider hört man mehr das Windrauschen als die Schienenstösse...
2M62 mit Güterzug:

Noch am Vormittag bekommen wir übrigens auch ein Gratis-Essen von der Schaffnerin, das ist offenbar im Fahrpreis inkludiert.
Durchfahrt am Bahnhof Maant:

Einfahrt in Chojr – erster planmässiger Halt nach Ulan-Bator:


Die 15 Minuten Aufenthalt nützen wir natürlich für eine Spaziergang am Bahnsteig:




Ein Gegenzug: 2M62 mit vielen Kesselwagen

Unsere 2M62:


Und noch zwei 2M62 bei der Ausfahrt:


Die Landschaft ändert sich nun langsam. Statt grüner Berge sieht es nun schon sehr steppenartig aus.



...und das ist jetzt schon eher Wüste – und zwar die Wüste Gobi:



Wieder ein Güterzug, wieder eine 2M62:

Weiter geht es durch die Wüste...


...nach Sajn-Schand:

Auch hier steigen wir aus. Der Gepäckwagen am Zugschluss:


Richtig schöne Ammendorf-Waggons:

Sajn-Schand – eine Stadt in der Wüste:


Der Bahnhof von der Strassenseite:

Warteschlange beim Fahrkartenschalter:

Nochmal unser Zug:


Markt am Bahnhof:

2M62 mit Güterzug:

Nachdem es mittlerweile schon später Nachmittag geworden ist und wir dementsprechend hungrig sind, statten wir nach Sajn-Schand dem Speisewagen einen Besuch ab. Der sieht auch ganz nett aus:


Für mich auch eine Premiere der besonderen Art, denn erstmals habe ich zu den Stäbchen keine Alternative wie daheim beim Chinesen... aber dafür klappt das Mit-Stäbchen-Essen ganz gut ;-)
Noch ein paar Landschaftsbilder, bevor wir die Grenze erreichen:





Kurz nach 20 Uhr fahren wir dann in den mongolischen Grenzbahnhof Dzamin Uud ein:



Hier haben wir eineinhalb Stunden Aufenthalt. Aussteigen dürfen wir wegen der Grenzkontrolle leider nicht. Die Kontrollen an sich sind unspektakulär.
Als wir um 21:35 in Richtung China abfahren, ist es dann schon finster. Für die 10 Kilometer nach Erlian benötigt der Zug 25 Minuten. Ich kann mich jetzt nicht mehr erinnern, ob wir an der Grenze stehengeblieben sind. Wahrscheinlich schon. Die Uhren müssen wir nun um eine Stunde zurückstellen, denn China hat keine Sommerzeit.
Aus anderen Reiseberichten war ich schon darauf vorbereitet, jetzt kann ich das selbst erleben: Als wir in Erlian am Hausbahnsteig einfahren, kommt aus den Bahnhofslautsprechen Marschmusik, wahrscheinlich die chinesische Hymne. Alles ist picobello aufgeräumt und sauber, und das Personal steht in Reih und Glied am Bahnsteig und begrüsst salutierend den Zug...
Nach diesem Spektakel finden die chinesische Grenzkontrolle statt. Auch hier müssen wir wie bei der Einreise in die Mongolei eine Gesundheitserklärung ausfüllen. Die Kontrollen an sich sind aber harmlos.
Nach einer Stunde sind die Grenzer fertig und man dürfte eigentlich aussteigen. Dazu ist aber nur sehr wenig Zeit, denn der Zug wird dann gleich in die Umspurhalle rangiert. Ab hier geht es ja wieder auf vertrautem 1435mm-Gleis weiter.
Die Umspurhalle befindet sich einen guten Kilometer nördlich des Bahnhofes. Der Zug wird auf mehrere Gleise aufgeteilt, es wird recht heftig rangiert.
Einfahrt in die Umspurhalle:

In der Umspurhalle:







Die Umspurprozedur an sich läuft wie in Brest oder Tschop ab. Auf diesem kurzen Video werden gerade die Breitspurdrehgestelle von den nachfolgenden Normalspurdrehgestellen unter den Waggons weggeschoben:
http://www.youtube.com/watch?v=WVI1z6vxKWc
Die Drehgestelle werden von einem Seilzugsystem bewegt.
Im Gegensatz zu Brest werden aber – so weit ich mich erinnere – die Kupplungen nicht getauscht.
Nach der erfolgreichen Umspurung wird der Zug zurück an den Hausbahnsteig (hier gibt es offenbar ein Vierschienengleis) rangiert.
Bis zur Abfahrt ist noch eine Stunde oder so Zeit, also können wir noch aussteigen und ein paar erste Schritte auf chinesischem Boden machen. „Überraschenderweise“ geht es auf chinesischem Boden gleich wie daheim, aber es ist doch irgendwie ein besonderes Gefühl, so weit auf dem Landweg gereist zu sein.
Die Temperatur ist mit ca. 25 Grad recht angenehm, das sollte sich dann ab dem nächsten Tag ändern...
Den Bahnhof sehen wir uns natürlich auch genauer an:


Fahrpreistabelle für den internationalen Verkehr:

Die Fahrt über die Grenze nach Dzamin Uud kostet im 4er-Schlafwagen (Sitzwagen gibt es nicht) immerhin umgerechnet 5,5 Euro. Nach Moskau kommt man um ca. 150 Euro, was wieder recht günstig erscheint.
Der Bahnhof ist innen sehr sauber und gepflegt:

Die Zollabfertigungshalle:

Florian und ich holen uns in der Bar im ersten Stock noch ein erstes chinesisches Bier. Wir haben noch keine Juan, bezahlen daher mit Dollar.
Das Bier trinken wir dann gemütlich am Bahnsteig.
Ein Plakat der chinesischen Eisenbahn:

Am Bahnsteig:


Während des ganzen Aufenthaltes kommt übrigens Musik aus den Bahnhofslautsprechern, meist Instrumentalversionen von bekannten Pop-Klassikern.
Eine Viertelstunde vor der Abfahrt begeben wir uns dann in den Zug. Die meisten Mitreisenden haben sich schon schlafen gelegt, es ist ja bereits nach Mitternacht (nach mongolischer Zeit bereits nach 1 Uhr).
Tja, aber so versäumen sie noch das Spektakel bei der Abfahrt: Das Bahnhofspersonal (oder waren es die Grenzpolizisten, bin mir nicht mehr sicher) hat sich wieder am Bahnsteig versammelt, bei jeder Waggontür steht jemand, Blickrichtung zum Zug, salutierend.
Als sich der Zug dann mit entsprechender Musikbegleitung in Bewegung setzt, drehen sich die Leute um 90 Grad nach rechts und schauen in Fahrtrichtung des Zuges, um schliesslich geordnet abzutreten....
Man stelle sich so ein Spektakel z.B. beim EC „Emona“ in Spielfeld-Strass vor...
Damit endet der heutige Tag, mich zieht es nach der Abfahrt in Erlian auch bald ins Bett.