Stromdiebstahl im Eurocity

Neuigkeiten & Sichtungen auf den österreichischen Schienen
103233-3

wollte eigentlich nur sagen...

Beitrag von 103233-3 »

...das ich die geschichte klasse finde! :)
Fahrgast
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Beitrag von Fahrgast »

Also nach nochmaliger genauer Anfrage hier die Vorgänge in chronologischer Reihenfolge:

1.) Laptop Akku ist normalerweise in Ordnung und hält (je nach Tätigkeit) zwischen 30 und 60 Minuten.

2.) Netzteil wurde eingesteckt, dann unmittelbar der Laptop eingeschalten, die Energieanzeige zeigte zu diesem Zeitpunkt 99% Akkufüllung an und eine verbleibende Restarbeitszeit von knapp unter eine Stunde! Der Akku war also definitiv voll!

3.) Einige Sekunden später wurde das Anlaufen der Klimaanlage beobachtet!

4.) Ca. eine knappe Minute nach Anlaufen der Klimaanlage begann die Warnleuchte des Laptops zu blinken und die Akkuanzeige zeigte 1% Ladestand an, der Laptop schaltete sich aus. Ein abermaliges Einschalten des Laptops war auf Grund des entleerten Akkus nicht mehr möglich.

5.) Ca. 1 - 2 Minuten später schaltete sich die Klimaanlage des Wagens wieder aus.

6.) Ca. 10 Minuten später war das "Andocken" der Lok am Zug zu spüren, kurz darauf lief auch die Klimaanlage wieder, gleichzeitig zeigte auch die Laptopleuchte "Ladezustand" an, der Laptop ließ sich wieder einschalten, und war noch ca. 1h während der Fahrt "mit Aufladen beschäftigt".


Ich verstehe ja eure Zweifel, aber dass sich genau bei diesem einen Einschaltevorgang der Akku des Laptops spontan entlädt, und die Klimaanlage des Wagens anspringt ohne dass eine Lok dranhängt ist ebenfalls nahezu unmöglich!

Es ist doch so weit ich weiß auch möglich einen Fernverkehrswagen ohne Anwesenheit einer Lok zu beheizen, ist auf diese Weise auch das Betreiben der Klimaanlage möglich? Ich vermute mal dafür gibt`s auch diverse Anschlusskabel an den Bahnsteiggleisen, vielleicht gibt`s bei der Energieversorgung des Wagens eine spezielle Einstellung die das Betreiben des Stromkreises von einer Zuleitung ermöglicht, welche unbedachterweise auch einen derartige Vorfall ermöglicht?



Es muss ja auch nicht sein, dass der Strom für die Klimaanlage die für 2 - 3 Minuten lief aus dem Laptop Akku kam, aber woher kam er dann??

Es muss ja auch nicht sein, dass der Strom aus dem Laptop Akku in den Stromkreis des Wagens eingespeist wurde, aber wohin "verschwand" er sonst??

Hat sie das Netzteil nachher berührt?
Nein - leider nicht!
Worin liegt der Sinn, einen vollen Akku aufladen zu wollen?
Falls du einen Laptop hast, steckst du ihn nicht auch trotz vollem Akku ans Netz wenn möglich, damit (wie schon gesagt) dein Akku auch dann noch voll ist wenn kein Stromanschluss verfügbar ist. (im konkreten Fall übrigens im Anschlusszug!)

Das Netzteil ist von Compaq und hat als Input "100 - 240 V, 50/60 Hz, 1,5 A" und als Output "19V, 3,16A max 60W". Ich bin zwar kein Techniker, aber von Physik hab ich zumindest doch eine kleine Ahnung und wieso ein Transformator (etwas Anderes ist ja so ein Netzteil nicht, oder?) nicht "in beide Richtungen" transformieren soll will mir nicht einleuchten....
Dass die Klimaanlage eines Reisezugwaggons "etwas mehr Saft" braucht als ein Laptop ist mir auch klar, aber das würde den mit einer Minute sehr raschen Entladungsvorgang erklären. Dass bei diesem Stromfluss das Netzteil wegschmelzen müsste ist mir auch klar, aber vielleicht hat`s das eben gerade nicht getan weil der ganze Vorgang in einer Minute vorbei war?

Mit freundlichen Grüßen, der Fahrgast
hcl
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Beitrag von hcl »

Einfache Rechnung:

240 Volt * 1,5 Ampère = 360 Watt
19 Volt * 3,16 Ampère = 60 Watt

Demnach werden in dem Netzteil ca. 300 Watt verbraten, sei es durch Erwärmung der Trafospulen und/oder durch diverse Widerstände. Mit lächerlichen 60 Watt lassen sich erstens einmal keine Waggonklimaanlagen betreiben und zweitens müßte der Strom aus dem Akku ja beim Rückweg durch die selbe Schaltung, gibt also prozentuell noch einmal einen Leistungsabfall in ähnlicher Höhe.

Desweiteren befindet sich in diesem Netzteil höchstwahrscheinlich noch ein Brückengleichrichter, welcher die Sinuswechselspannung in eine pulsierende Gleichspannung umwandelt (eventuell noch ein Kondensator zur Glättung). Schließt man nun diesen verkehrt an (also häng eine Gleichspannungsquelle an, statt eines Verbrauchers), passiert (je nach Polung) entweder nichts, oder das System ist kurzgeschlossen.

In letzterem Fall könnte natürlich der Akku entladen werden - allerdings würde sich der Akku dann sofort entladen, sobald das Potential wegfällt, also das Netzteil von der Steckdose genommen wird oder der Strom ausfällt. Daher ist davon auszugehen, daß auf der Gleichspannungsseite des Gleichrichters auch noch eine Diode eingebaut ist, um das Ding überhaupt arbeitsfähig zu machen. Damit ist allerdings der Fall irgendeines Stromdiebstahls vollkommen ausgeschlossen - erst recht auf Grund der Tatsache, daß auf der Wechselspannungsseite des Gleichrichters niemals irgendwas rauskommt, egal wie die Gleichspannung an den anderen Anschlüssen gepolt ist.
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Fahrgast
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Beitrag von Fahrgast »

@ Salzsäure: Deine Erklärung(sversuche) sind verständlich und sind auch logisch (du bist ja von gewissen Grundvoraussetzungen ausgegangen), aber für meine in blau geschriebenen Fragestellungen hast du vermutlich keine logische Erklärung, oder?

Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen dass es reiner Zufall war dass sich von hunderten Malen "Laptop einschalten" genau im Zug der Akku spontan innerhalb einer Minute entlädt und zeitgleich (ohne angehängte Lok) die Klimaanlage (muss ja nicht volle Leistung gewesen sein) anrauscht. Es bleibt also ein ungelöstes Phänomen...

Mit freundlichen Grüßen, der Fahrgast
Mit freundlichen Grüßen, der Fahrgast
hcl
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Beitrag von hcl »

Mag sein, daß es ein ungelöstes Problem bleibt, aber deswegen hat sich der Strom nicht in die Klimanlage verabschiedet.

Obwohl wie sagte Sherlock Holmes:

"Wenn alle logischen Möglichkeiten zur Klärung des Falles
ausgeschlossen sind, dann muss die unlogische die Richtige sein." :D
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BastiB
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Beitrag von BastiB »

Fahrgast hat geschrieben: ... und wieso ein Transformator (etwas Anderes ist ja so ein Netzteil nicht, oder?) nicht "in beide Richtungen" transformieren soll will mir nicht einleuchten....
Das Netzteil ist nicht nur ein Trafo, sondern hat auch einen Gleichrichter eingebaut (ich denke nicht das Compaq Wechselstromakkus einbaut :shock: ), und die leiten eben nur in eine Richtung weiter.

Ich glaube ihr ja dass der Akku leer war, aber einen Zusammenhang mit Zug und Klimaanlage wird man nicht herstellen können, ohne grundsätzliche elektrische Regeln außerkraftzusetzen.

Mit dem Auto kann man ja leider auch keinen Benzin erzeugen, das siehst du ja wohl ein :badgrin:
Fahrgast
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Beitrag von Fahrgast »

Mag sein, daß es ein ungelöstes Problem bleibt
Nein - ist eh kein Problem - nur ein Phänomen. ;-)

Aber es ist schon klar, auch wenn zwei Sachen noch so gut korrelieren muss aus wissenschaftlicher Sicht trotzdem noch lange keine Kausalität bestehen. (Wie schon das berühmte Beispiel mit dem Rückgang der Storchenpopulation und dem zeitgleichen Rückgang der Geburtenzahl zeigt)

Danke jedenfalls für die technischen Details, sind schon nachvollziehbar (für mich sogar ohne Basti`s "Auto - Benzin" Vergleich *gg*), auch wenn das Entladen des Akkus weiterhin ein Rätsel bleibt - ich werde mir den Laptop bei Gelegenheit einfach mal ausleihen und versuchen diese Konstellation wieder herzustellen, diesmal mit meiner Hand am Netzteil - mal sehen ob ich dann eine Verbrennungsambulanz brauche! *gg*

Mit freundlichen Grüßen, der Fahrgast
99 222
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Beitrag von 99 222 »

Ich bleibe dabei, ich kanns mir nicht vorstellen.
Einerseits - wie bereits mehrfach ausgeführt - kann durch den Gleichrichter in der "falschen" Richtung kein Strom fließen.
Andererseits selbst wenn nur die Lüftung angesprungen ist, und nicht auch die Klimaanlage, hat diese sicherlich einen Verbrauch von mindestens 1 kW.
Beim erforderlichen Anlaufstrom zerfetzt es jeden Laptopakku und jedes Ladegerät.
Ich kenne das Phänomen von nicht ganz jungen Handies. Da zeigt auch oft der Akku beim Einschalten volle Ladung, und springt nach wenigen Sekunden (Netzsuche) dramatisch in den entladenen Bereich.
Was für Akkus verwendet Deine Bekannte? NiCd? Die machen so etwas gerne.
hcl
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Beitrag von hcl »

Fahrgast hat geschrieben: Aber es ist schon klar, auch wenn zwei Sachen noch so gut korrelieren muss aus wissenschaftlicher Sicht trotzdem noch lange keine Kausalität bestehen.
Nun hier von Korrelation zu sprechen, wäre aber schon maßlose Übertreibung. Das erste Kriterium für Wissenschaftlichkeit ist immer noch Wiederholbarkeit. Wenn das Expriment in dieser Form 20 Mal funktioniert, können wir erst beginnen über Korrelation zu sprechen ;)

Übrigens würde ich nicht ausschließen, daß man mittels Auto kein Benzin erzeugen kann. Wenn man genug Energie hinzuführt um die chemische Reaktion umzukehren und die Entropieabnahme auszugleichen, müßte es eigentlich möglich sein :D
Ein Tank mit Katalysatorflüssigkeit wäre allerdings ganz brauchbar :D
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