Im zweiten Teil meines Reiseberichtes aus Rumänien fahren wir übers Land auf der CFR Kursbuchstrecke 200 von Sibiu nach Fagaras. Für den oberflächlichen Betrachter präsentiert sich Rumänien noch immer als ärmliches, rückständiges Land. Wer an Rumänien denkt, denkt unweigerlich an Dracula. Diese Figur hat mit dem Land genauso viel zu tun, wie eine 1016 mit einer 1180. Das einzige was historisch in diesem Zusammenhang stimmt ist das Wort „Dracul“. Dieser Spitzname gehörte dem mittelalterlichen Großfürsten Vlad Ţepeş, welcher seine Feinde gerne auf Pfählen aufspiesste. Das ist aber auch schon alles, Vampire und anderes Zeug sind von einem Briten frei erfunden. Diese und viele andere Schauergeschichten sind Vorurteile die weitgehend zu Unrecht bestehen Das Land ist voller kultureller und landschaftlicher Schätze, gastfreundlich und voll kulinarischer Genüsse, trägt aber schwer am kommunistischen Erbe, vor allem wirtschaftlich. Wenn man sich auf Land und Leute einlässt und hinter die Oberfläche sieht, eröffnen sich einem völlig neue Blicke und interessante Perspektiven eines, unserer neuen EU-Mitglieder. Fahrt mit mir mit.
Wir verabschieden uns von Sibiu mit einer weiteren Aufnahme der 60-0795 vor dem Zug 2562 aus Mediaş.

Erste Station ist der Bahnhof Podu Olt (Alt Brücken). Hier zweigt die Hauptstrecke nach Piatra Olt und weiter nach Craiova, von der Hauptstrecke Arad – Sibiu – Brasov ab. Soeben ist A xxxx aus Craiova eingetroffen.

Eine sehr interessante Betriebsabwicklung in Podu Olt kostete mich fast alle Nerven: Laut Fahrplan hat der A 882 (Acelerat = Schnellzug) 14 Minuten Aufenthalt, weil er mit dem Zugteil aus Craiova vereinigt wird. Also stieg ich aus um Aufnahmen zu machen. Leichtsinnigerweise ohne Geld, Jacke, Handy etc.. Kaum war ich draussen setzte sich mein Zug in Bewegung! Ich versuchte hektisch irgendwie dem Zug zu folgen (sinnlos natürlich!). Der freundliche Fahrdienstleiter bedeutete mir aber, ich solle mich beruhigen, denn der Zug käme ohnehin wieder in den Bahnhof (tatsächlich leuchtete das weiße Verschubsignal auf). Dann blieb der Zug geschlagene 10 Minuten beim Einfahrsignal stehen und wartete das Eintreffen des Schnellzuges aus Craiova ab. Danach erfolgte die Vereinigung des Zuges und ich konnte wieder einsteigen. Ab diesen Zeitpunkt stieg ich nie wieder ohne meine Sachen aus…

Streunende Hunde sind in Rumänien sehr verbreitet. Offenbar gibt es auch unter denen Eisenbahnfreunde

Diese Brücken über den Olt (Alt) gaben dem Bahnhof den Namen. Der Olt ist einer der größeren Flüsse Rumäniens. Er entspringt in Transsilvanien, durchbricht zwischen Turnu Roşu und Piatra Olt den Karpartenbogen und mündet in Südwestrumänien in die Duna (Donau). Das Tragwerk mit den drei Brückenfeldern gehört zur Strecke nach Piatra Olt und die zweifeldrige Kastenbrücke ist jene der Strecke nach Brasov (Kronstadt).

Das Pferd spielt in der rumänischen Landwirtschaft noch eine große Rolle als Arbeitstier. Vor allem ärmere Bauern, sowie Roma und Sinti verwenden oft noch Pferdewagen. Hier ist ein solches Gespann zu sehen. In acht nehmen sollten sich Autofahrer des Nachts. Meistens sind die Gefährte nicht beleuchtet und daher eine große Gefahrenquelle für Unfälle.

In Avrig gibt es eine der wunderschönen mittelalterlichen Wehrkirchen, die für Ardeal (Siebenbürgen) so typisch sind. Im Hintergrund erheben sich die verschneiten Karparten. Zwischen Podu Olt und Fagaras führt die Bahnstrecke entlang des Fagaraser Gebirges, dem höchsten Teil der Karpaten. In diesem Massiv befindet sich der Gipfel Moldoveanu, welcher mit 2.550 m der höchste Berg Rumäniens ist.

Zugkreuzung im Bahnhof Avrig: Stolz präsentiert sich das Zugpersonal vor dem MP 2513, der aus zwei 96errn besteht.

Der Gegenzug P 2104 nach Braşov besteht aus insgesamt drei Triebwagen der Baureihe 96. EWr fährt im gleissenden Mittagslicht ein.

In Rumänien leben rund 3 Millionen Angehörige der Volksgruppe der Sinti und Roma. Überall im Land sind die ärmlichen Siedlungen zu sehen, wie hier. Diese Bilder werden gerne im Westen präsentiert, sie sind aber nur ein Teil des Landes und entsprechen nicht dem Durchschnitt Rumäniens.

Schafe sind aus der rumänischen Landwirtschaft nicht wegzudenken, ebensowenig die Produkte des Schafes aus der rumänischen Küche. Überall sind die Schafherden mit ihren Hirten zu sehen. Vorsicht aber vor den Hirtenhunden, die sind scharf. Immerhin gibt es in Rumänien noch hungrige Wölfe und Bären in den Wäldern.

Auch dieses Bild kann noch oft gesesehen werden. Ärmere Bauern können sich keinen Traktor leisten, daher wird auch das Pflügen mit dem Pferd erledigt.

Wieder zurück zur Bahnstrecke: Die private Gesellschaft Regiotrans hat einen eigenen Fahrplan, der im Kursbuch der CFR nicht zu finden ist. Mit dem Kurs 14559 wird die Relation Brasov – Sibiu – Brasov einmal täglich bedient. Hier ist der XRABX 8420 beim Kreuzungsaufenthalt in Ucea zu sehen. (11.03.2008)

Mit Güterzügen hatte ich in diesen Tagen Pech. Sie fuhren meistens, wenn ich nicht gerade fotografieren konnte. Auch die 62-1194 konnte ich in Ucea nur als Lokzug erwischen, da sie gerade die Verschubarbeiten mit dem Sammler erledigt hatte und am Umsetzen war.

Das nächste Bild bringt uns zu einem weiteren, kulturellen Highlight Rumäniens. Die überwiegende Zahl der Rumänen gehört der griechisch-orthodoxen Kirche an. Überall im Land sind die Kirchen und die Klöster weithin sichtbares Zeichen der neuen Macht dieser Kirche. Sie sind auch überraschend gut renoviert. Vor allem die Klöster der Moldau, einer Region im Nordosten des Landes sind weltberühmt. Aber auch die Karpaten beherbergen einige schöne Klöster und Kirchen der Orthodoxie. Hier ein Blick auf die chrakteristischen Kuppeln der Kirche von Viesta de jos.

Nicht weit davon entfernt, am Fusse des Fagaraser Gebirges liegt das Kloster Sîmbâtâ (Samstag), das auch einen touristischen Komplex beherbergt. Die Hotels und Pensionen sind empfehlenswert und relativ günstig, Auto ist aber Voraussetzung. Hier Bilder der Klosteranlage und der Kirche mit der eindrucksvollen Ikonostase aus Holz.


Ziwschen Fagaras und Ucea konnte ich auch das sehr seltene Erlebnis einer Führerstandsmitfahrt erleben. Hier zwei Belegbilder davon. Es war ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk der CFR

Das Ausfahrsignal des Bahnhofes Voila zeigt freie Fahrt.

Angesichts derartiger Haltestellen wirken die modernen Triebwagen der Baureihe 96 wie Wesen vom anderen Stern. Hier die Haltestellentafel des Dorfes Dridif.

Schon kommt auch der R 12102 von Craiova nach Brasov, bestehend aus zwei 96ern daher.

Nicht lange dauert es und aus der Gegenrichtung kommt der, ebenfalls aus zwei 96ern bestehende, MP 2513 daher.

Nochmals der A 12102 im Olttal bei Beclean.

Ein letzter Blick auf das Fagaraser Gebirge zeigt, dass wir gleich in den Bahnhof der namensgebenden Stadt einfahren.

Der Bahnhof von Fagaras hatte einst wegen eines chemischen Kominates große Bedeutung im Güterverkehr. Heute ist das Kombinat geschlossen, und der Bahnhof ist teilweise von Unkraut überwuchert. Dennoch ist er noch immer von betrieblicher Bedeutung. Hier warten zwei 96er als P 2513 nach Sibiu.

Zwei weitere 96er warten auf die Fahrt als Persoane nach Brasov (Kronstadt). (5.03.2008)

Einen der raren Güterzüge konnte ich hier aufnehmen. Die 60-1195 und vier Güterwagen rumänischer Bauart konnte ich am Abend des 6.03.2008 aufnehmen.

Mit Ausnahme der Aufklebers zeigt sich diese 60er noch recht unverdorben.

Dieser Blick auf das Bahnhofsgelände zeigt, dass es in Fagaras auch einmal ein kleines Heizhaus gab, das heute natürlich seine Aufgabe verloren hat.

Am Morgen des 11.03.2008 hatte ich unwahrscheinliches Glück. Dank einer Eingebung der Frau unseres Freunde fuhren wir früher als geplant zum Bahnhof. Als wir dort ankamen sah ich eine 80er stehen was an sich ungewöhnlich ist für diese Strecke. Dann aber die Sensation: Hinter der 80-0471 befanden sich vier Bmot Dieseltriebwagen der Baureihe 77!!

Auch die 80er selbst sind wilde Gefährte…

Leider konnte ich nicht eruieren ob dieses Gespann nach Brasov zur Ausbesserung oder zur Verschrottung fuhr. Jedenfalls geht es mit den Malaxa Triebwägen der Reihen 77 und 78 dem Ende zu.

Die zweiachsigen Triebwägen der Baureihe Bmot 77 wurden ab 1938 bis mitte der Vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts von den Malaxa Werken in Bukarest gebaut. Bis heute versehen diese Veteranen Zugleistungen auf rumänischen Nebenbahnen. Sie sind hier im modernsten Erscheinungsbild zu sehen. Das Bild zeigt den 77 977.

Langsam rollt dieser Zug weiter in Richtung Brasov und ich verabschiede mich mit diesem Bild von einem interessantem und eindrucksvollem Einblick in den Bahnbetrieb und das Land Rumänien

