Viele Privilegien, wenig Komfort
13. Oktober 2003
JOSEF BRUCKMOSER
s gibt nichts Schöneres als Bahnfahren. Ein freundlicher Schalterbeamter händigt die Fahrkarte aus. Diese ist mit Vorteilscard noch immer günstig, wenn man ehrlich mit dem Kilometergeld für das Auto vergleicht. Mit ein wenig Glück funktioniert sogar der Fahrkartenautomat, was die Sache noch billiger macht. Im Zug erobert der Fahrgast einen freien Sitzplatz, breitet die Zeitungen vor sich aus, bekommt heißen Kaffee serviert und lässt die Welt an sich vorbeiziehen.
Das ist die Theorie. Die Praxis sieht leider oft anders aus. Das beginnt beim mangelnden Umtauschrecht für Fahrkarten, die per Internet gelöst wurden, und reicht über verschmutzte Bahnhö-fe bis hin zu WCs im Waggon, die oft schon bei Fahrtantritt jedem Gebot von Reinlichkeit spotten.
Wollen die ÖBB ein modernes Dienstleistungsunternehmen werden, müssen sie an zwei Stellen den Hebel ansetzen: Bei den Privilegien ihrer Mitarbeiter, für die in wirtschaftlich harten Zeiten wie diesen kein Mensch Verständnis hat, und beim Komfort für die Kunden, der in der Beurteilung der SN-Leserinnen und -Leser extrem schlecht wegkommt.
Dass sich die Salzburger von einer völligen Privatisierung der Bahn keine Wunder erwarten, hat gute Gründe. Oder ist bei der privatisierten Post vielleicht etwas besser geworden?
© SN.
Viele Privilegien, wenig Komfort
-
Stefan_M
Viele Privilegien, wenig Komfort
Heute in den SN:
-
Stefan_M
...Teil 2
Viele Privilegien wenig Komfort
14. Oktober 2003
Viele Privilegien wenig Komfort
Als langjähriger Leser und Abonnent der SN muss ich in letzter Zeit immer wieder feststellen, dass sie gegenüber den ÖBB und deren Mitarbeitern lieber in die allgemeine Verunglimpfung einstimmen, als richtig zu recherchieren. Selbst wenn einmal ein Artikel die Wahrheit berichtet, wird mit einem Nachsatz des Verfassers wieder alles in Frage gestellt, wie vor etwa drei Wochen auf Seite 1 der SN geschehen. Ist ja auch einfacher so. Wäre Ihnen wirklich am Image der Bahn gelegen, so müssten sie berichten, dass seit 1994 ein Stufenplan besteht, der das Pensionsalter aller Bediensteten der ÖBB stetig hinaufsetzt und somit die Arbeitszeit verlängert (je kürzer einer bei den ÖBB beschäftigt ist, umso länger wird seine Arbeitszeit sein), womit bereits in bestehende Verträge gravierend eingegriffen wurde. Bedienstete, die nach dem Jahr 1994 bei den ÖBB eingestellt wurden, sind nach dem ASVG versichert, und für diese gilt auch dieses Gesetz vollinhaltlich. Aber wahrscheinlich bezeichnen Sie es auch als Privileg, dass wir Eisenbahner eine gute Krankenkasse haben. Nun, diese Kasse hat auch ein anderes finanzielles Standbein als die GKK, denn wir bezahlen schon für jeden Arztbesuch einen Selbstbehalt. Nun noch ein Wort zur Privatisierung: Kaiser Ferdinand hat am 19. 12. 1841 ein "Patent" erlassen, mit dem wichtige Eisenbahnen vom Staat erworben werden, um Spekulationen Privater vorzubeugen. Er hat die Mentalität der Menschen offensichtlich besser gekannt als einige "Privatisierer um jeden Preis" von heute. Als Nachsatz noch, als ich 1967 zu den ÖBB in den Dienst kam, wurde ich von Bekannten wegen der geringen Verdienstmöglichkeiten ausgelacht.
Karl Rohregger
5600 St. Johann