14. Jänner 2004
10:39 MEZ Wie man aus Fehlern lernt
Das Alphabet lässt offensichtlich nicht zu, alle Wiener Stationen hintereinander anzuführen... - Teil III
Im Jahr davor unternahmen die Österreichischen Bundesbahnen den - nicht ganz geglückten - Versuch, den Benützern ihres Kursbuches geografische Irrtümer vermeiden zu helfen. Alle auf dem Terrain der Bundeshauptstadt liegenden Stationen und Haltestellen erhielten vor ihrem Namen den Zusatz Wien. Dabei übersah man das Kahlenbergerdorf, welches sozusagen nackt in das Stationsverzeichnis und in das Fahrplanbild 810 rutschte. Diesen Fehler hat man jetzt ausgemerzt, und es heißt eindeutig und unmissverständlich Wien-Kahlenbergerdorf.
Auf den Seiten 19 und 20 kann man nachzählen, dass es innerhalb der Stadtgrenzen nicht weniger als 63 Stellen gibt, an denen ein Zug anhält oder von denen er wegfährt.
Wer allerdings der Meinung ist, alle Wiener Stationen seien hintereinander angeführt, wird überrascht feststellen, dass das Alphabet dies offensichtlich nicht zulässt. Man beginnt im Verzeichnis unter dem Buchstaben W wohl mit Wien Atzgersdorf, doch nach Wien DDSG-Schifffahrtszentrum schmuggeln sich Wienerbruck-Josefsberg, Wiener Neudorf, Wiener Neustadt Anemonensee, Wiener Neustadt Hbf und Wiener Neustadt Nord in die Reihe der Wiener Stationen, ehe es mit Wien Erzherzog Karl-Straße bis Wien Zentralfriedhof weiter geht.
Unverständliche Abkürzungen
Die Schnellbahn-Haltestelle Wien Traisengasse findet man im Verzeichnis unter T als Traisengasse, die Station Wien Grillgasse unter G als Grillgasse, Wien. In derselben Rubrik firmiert Wien Gersthof unter Gersthof, Wien. Es gibt noch weitere Beispiele.
Warum man die geradezu lächerlichen Abkürzungen Jun. für Juni, Jul. für Juli und Mär. für März beibehält, bleibt unverständlich.
Das Kursbuch hat man "abgespeckt" und die Seitenzahl von 754 auf 730 reduziert, klammert man die Notizen aus, verringert sich der Umfang von 733 auf 716.
Dem Sparstift zum Opfer fielen auch die Zufahrtspläne zu den Autoverladestellen in Feldkirch, Graz, Innsbruck, Lienz, Salzburg, Schwarzach-St. Veit, Villach, Wien Süd-und Westbahnhof. Dabei hat man die Zahl der Autoreisezüge erhöht und fährt neue Destinationen - wie Berlin, Düsseldorf und Hamburg - an. Und da kommt es auf die neun Seiten an? Immerhin ist es als großer Fortschritt anzusehen, dass die Fahrpläne für den Museumsbetrieb der Waldviertler Schmalspurbahnen aufscheinen und ein "Entwurf" für den Fahrplan des Reblaus-Express zwischen Retz und Drosendorf da ist. (Bernd Orfer/DER STANDARD; Printausgabe, 14.1.2004)
Wie man aus Fehlern lernt
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Der Standard 14. Jänner 2004
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KarlWimmer