Gegen 9 Uhr holt uns unser Fahrer mit seinem UAZ vor dem UB-Guesthouse ab. Unsere Rucksäcke deponieren wir hier, denn wir werden hier ja vor der Abfahrt nach Peking noch einmal übernachten. Für die drei Tage in der mongolischen Provinz nehmen wir nur die nötigen Sachen mit.
So sehen unsere Planungen für die nächste Zeit aus:

Mit dem Auto geht es ca. 300 Kilometer nach Westen zu einem kleinen See. Von dort am nächsten Tag zum Kloster Erdene Zuu bei Kharakhorum, der alten mongolischen Hauptstadt.
Am dritten Tag fahren wir dann zurück nach Ulan Bator.
Tags darauf beginnt die Reise nach China. Nach ein paar Tagen Aufenthalt in Peking kommen wir am 1. September um 9:15 in Shanghai an – insgesamt 12202 Kilometer werde ich dann seit Graz mit der Bahn zurückgelegt haben.
Vorerst aber geht es in die mongolische Provinz. Vor der Abfahrt:

Recht mühsam geht es zunächst durch Ulan-Bator Richtung Nordwesten:

Wir überqueren die Eisenbahnlinie Richtung Russland...

An der Stadtgrenze gibt es eine Mautstation. Trotz der Einhebung von Mautgebühren ist der Strassenzustand aber denkbar schlecht. Mehr als 70 km/h sind nicht möglich.

Anschliessend geht es ein paar Kilometer durch Vororte von Ulan-Bator, teils in Sichtweite der Eisenbahnlinie.

Schliesslich zweigen wir aber Richtung Westen ab und passieren nach einigen Kilometern eine weitere Mautstation.

Danach beginnen die unendlichen Weiten der Mongolei. Obwohl die Mongolei 20 Mal so gross wie Österreich ist, leben hier nur 2,8 Millionen Menschen. Und davon lebt wiederum ein Drittel in der Hauptstadt Ulan-Bator – da bleibt für das restliche Land nicht viel übrig...

Der Verkehr ist trotz allem recht dicht. Neben den kleinen UAZ-Bussen sind v.a. noch westliche Geländewagen und LKWs wie der zwei Bilder weiter oben zu sehen...
Auffallend ist auch, dass alle paar Kilometer ein Fahrzeug mit einer Reifen- oder sonstigen Panne am Strassenrand steht....
Ab und zu gibt es kleine Dörfer:

Dann wieder „Nichts“...

...oder „Nichts“ mit Schafen:

Zu Mittag machen wir Pause bei einem „Gasthaus“:

Da unser Fahrer sowie das Personal nur mongolisch spricht, ist das ein etwas langwieriges Unterfangen. Unser Fahrer bestellt irgendwas, wir warten, bis er schliesslich eine Suppe mit Erdäpfeln und irgendeinem Fleisch drin bekommt und beschliessen dann, dass wir auch so eine Suppe wollen, was mittels Zeichensprache auch gelingt.
Die Suppe ist dann auch geniessbar, wir lassen uns den Appetit auch nicht dadurch verderben, dass draussen vor dem Fenster auf der Rückseite des Hauses gerade jemand ein Schaf schlachtet und in Einzelteile zerlegt.... da darf man nicht so zimperlich sein.
Unser Fahrer:

Eigentlich ein netter Kerl, leider können wir uns mit ihm nicht unterhalten. Aber er hat von der Jugendherberge genaue Anweisungen bekommen, wohin er uns führen soll.
Während der Fahrt gibt es übrigens fast durchgehend musikalische Untermalung, entweder irgendeine mongolische Popmusik oder ABBA. Mit "I have a dream" durch die Mongolei – das musste ich natürlich auch festhalten:
http://www.youtube.com/watch?v=hF71gML8APQ
Die letzten 50 Kilometer des Tages legen wir auf solchen „Strassen“ zurück:

Auf meiner Landkarte ist das immerhin als zweitrangige Hauptstrasse ausgewiesen.
Inklusive aller Pausen benötigen wir schliesslich 8 Stunden für die 300 Kilometer lange Tagesetappe.
Unser Ziel ist ein See, Name unbekannt, in dessen Nähe wir in einer von einer mongolischen Familie betriebenen Touristenjurte übernachten:

In der Mongolei gibt es wenig Wald und somit wenig Holz zum Heizen. Der Ofen in unserer Jurte wird daher mit getrocknetem Kuhmist gefeuert.

Am Abend ist es dann doch recht frisch geworden und wir schaffen es dann auch tatsächlich, dass Ding in Betrieb zu nehmen. Da ist sprichwörtlich „die Kacke am Dampfen“!
Ausser dem Ofen gibt es im Inneren der Jurte fünf an den Wänden angeordnete Betten sowie einen Tisch.
Aber zunächst bekommen wir ein sehr gutes Abendessen mit Tee serviert. Ich kann mich nicht erinnern, was es genau war, irgendwas mit Reis und Fleisch. Aber Hauptsache es hat geschmeckt. Beim Tee handelt es sich um gewöhnlichen schwarzen Tee, kein mongolischer Milchtee mit Salz...
Danach geniessen wir noch den Sonnenuntergang.


Donnerstag 25. August 2005
Um 8 Uhr wachen wir auf und wir bekommen ein kleines Frühstück. Auch das ist eher auf europäische Mägen abgestimmt, es gibt Palatschinken mit Marmelade.
Die Kinder der Familie posieren für uns noch für ein Foto:

Die wachsen hier schon unter völlig anderen Umständen auf wie unsereins...
Um 10 Uhr fahren wir schliesslich los. Heute sind wir nicht so lange unterwegs, es geht nur ca. 60 Kilometer Richtung Süden, allerdings kommen wir angesichts der Strassenverhältnisse nicht wirklich schnell voran:

Dazu kommt, dass nach einer guten Stunde Fahrt der Motor Probleme macht. Wir bleiben stehen und unser Fahrer öffnet die Klappe zwischen Fahrer- und Beifahrersitz. Darunter befindet sich der Motor. Er werkelt irgendwas herum, dann geh es weiter. 500 Meter später stehen wir wieder, das Motorgeräusch gefällt ihm noch immer nicht. Das gleiche noch mal:

Auch das Resultat wiederholt sich. Beim dritten Mal dauert der Stop länger. Irgendwann liegen dann Motorteile am Boden herum, aber das kann uns auch nicht erschüttern.

Offenbar ist irgendwas bei der Zündung undicht, will Florian mittlerweile mitbekommen haben. Mit Hilfe eines Spezialklebebandes, das Florian irgendwo bei seinen Sachen dabei hatte, gelingt es unserem Fahrer dann das Leck provisorisch abzudichten und wir können weiterfahren.
Wir erreichen schliesslich Kharakhorum, wie die hier früher befindliche mongolische Hauptstadt hiess. Wie der Ort heute heisst, weiss ich nicht.
Auch hier sind wir in einer Touristenjurte untergebracht. Wir rasten uns ein wenig aus, danach fahren wir zum in der Nähe gelegenen Kloster Erdene Zuu.
Das Kloster wurde 1937 von den Sowjets zerstört und wird seit 1990 wieder Stück für Srücl restauriert. Mehr Infos auf http://de.wikipedia.org/wiki/Erdene_Zuu



Nachher fahren wir noch zum Markt in das Dorf:

Unser Fahrer besorgt dort auch Ersatzteile für den UAZ, die er dann anschliessend gleich einbaut:

Ein grosser Vorteil der UAZ-Busse ist, dass die russische Technik einfach und robust ist. Jeder Fahrer weiss, wie er sein Vehikel im Falle des Falles wieder zum Fahren bekommt. Und da die Dinger in der Mongolei sehr verbreitet sind, gibt es überall Ersatzteile zu bekommen...
Gegen Abend kommt dann ein kleiner Sandsturm auf – auch ein eindrückliches Erlebnis:

Am Abend unterhalten wir uns noch ein bisschen mit einem Paar aus den USA, welches in der Nachbarjurte untergebracht ist. Die beiden sind gerade auf der letzten Etappe einer 10-tägigen Mongolei-Rundfahrt, bei der sie noch wesentlich mehr als wir gesehen und erlebt haben. Die beiden wollen dann auch weiter Richtung China, allerdings haben sie keine Fahrkarten für den Zug mehr bekommen und fliegen daher von Ulan-Bator weiter nach Peking.
Freitag 26. August 2005
Bereits um 6 Uhr stehen wir heute auf, um 7 Uhr fahren wir los nach Ulan-Bator. In der Morgendämmerung machen wir noch einen kurzen Fotohalt beim Kloster Erdene Zuu:

Impressionen von der weiteren Fahrt:



Eine mongolische Tankstelle:

Unterwegs hilft unsere Fahrer dann noch einem am Kollegen mit einem Reservereifen aus, den wir ein paar Kilometer später beim nächsten Autozubehörladen wieder zurückbekommen.
Kurz vor Ulan-Bator: „Progress creates success” – die Zivilisation hat uns wieder:

Nach siebeneinhalb Stunden Fahrt kommen wir wieder beim UB-Guesthouse an.
Wir rasten uns ein bisschen aus. Der Nachmittag steht dann noch für diese und jene Erledigungen zur Verfügung. Essen, Souvenirs einkaufen, Internetcafe, etc.
Im nächsten Teil gibt es dann wieder Eisenbahn pur, es geht von Ulan-Bator zum chinesischen Grenzbahnhof Erlian und dann weiter nach Peking.
Bitte aber um etwas Geduld, ich bin die nächsten paar Tage nicht in Graz und komme somit nicht zum Schreiben....