RB Eurasia 19: Peking (Beijing) - Teil 2

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Helmut Uttenthaler
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RB Eurasia 19: Peking (Beijing) - Teil 2

Beitrag von Helmut Uttenthaler »

Mittwoch 31. August 2005

Nach dem Frühstück holen wir unsere Wäsche bei der Wäscherei ab. Danach packen wir unsere Sachen. Bevor wir dann unser Zimmer verlassen, noch ein Foto davon:
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Die Rucksäcke können wir beim Hostel deponieren, die Abfahrt nach Schanghai erfolgt ja erst am Abend. Auch heute machen wir getrenntes Programm. Die Mädels wollen sich eher auf das Shoppen konzentrieren, während Florian und ich uns zumindest noch Mao Zedong im Mausoleum anschauen wollen. Lenin in Moskau habe ich ja schon gesehen, da darf Mao dann auch nicht fehlen.

Am Platz des himmlischen Friedens wird eifrig geputzt:
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Die Mao-Besichtigung erledigen wir getrennt, denn erstens darf man keiner Gepäck dabei haben, sodass einer immer aufs Gepäck des anderen aufpasst und draussen wartet. Ausserdem darf man mit offenen Schuhen nicht hinein (wir sind beide nur mit Trekkingsandalen ausgerüstet), weshalb wir uns bei einer Händlerin, die die Notlage vieler Touristen für ihr Geschäft nutzt, ein Paar einfacher Filzschlapfen kaufen. Die teilen wir uns natürlich auch und schenken sie nach erfolgreicher Besichtigung einer anderen Touristin...
Die Mao-Besichtigung ist natürlich eine ziemliche Zeremonie, vergleichbar mit dem Lenin-Mausoleum in Moskau. Einen deutlichen Unterschied gibt es aber: In Peking gibt es gleich im Abschluss an die Halle, in der Mao liegt, unzählige Souvenirgeschäfte....

Nachher wollen wir uns eigentlich noch die „Unterirdische Stadt“ ansehen, die in den 1960er Jahren als Schutzraum gebaut wurde. Siehe http://monomission.com/?p=108
Aber irgendwie finden wir den Eingang trotz Stadtplan nicht. Also lassen wir es bleiben.

Nun trennen sich auch die Wege von Florian und mir. Mich zieht es nämlich zum Westbahnhof. Dieser ist nämlich angeblich der grösste Bahnhof Chinas, deutlich grösser als der Hauptbahnhof, an dem wir angekommen sind und heute abend weiterfahren werden.

Für die Fahrt dorthin wähle ich – das Fahrrad!
Unweit vom Hotel miete ich bei einem Verleih ein Fahrrad und stürze mich in das Pekinger Verkehrsgewühl. Bis zum Westbahnhof ist es ein schönes Stück, ca. sechs Kilometer.
Der Weg ist eigentlich leicht zu finden, vom Hostel muss ich nur raus auf die nächste grössere Strasse, dieser dann ein paar hundert Meter entlang nach Norden (der gleiche Weg, den wir am Ankunftstag von der U-Bahn in umgekehrter Richtung zu Fuss gegangen sind). Bei der Metrostation dann nach links und immer der grossen, breiten Strasse entlang. Entlang dieser gibt es aber einen gut ausgebauten Radweg.
Nur einmal ist es etwas trickreich den richtigen Weg zu finden, denn man muss bei einer Art Autobahnkreuz vorbei, der Radweg folgt da nicht ganz der direkten Linie. Aber kein Problem, schliesslich bin ich beim Westbahnhof. Und der ist wirklich ein Gigant von einem Bahnhof:
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Ich stelle irgendwo bei den Bushaltestellen das Fahrrad ab. Um in den Bahnhof zu gelangen, benötigt man – wie überall in China – entweder eine Fahrkarte für eine Zug oder eine Bahnsteigkarte. Das habe vorher schon gewusst, habe mir daher im Hostel bei der Rezeption jemanden gebeten, mir den Wunsch nach einer Bahnsteigkarte auf einen Zettel zu schreiben.
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(es müsste dieser Zettel sein, ich kann es natürlich nicht lesen...)
In der Schalterhalle (dorthin kommt man natürlich ohne Fahrkarte) gibt es unzählige Schalter, ich zeige meinen Zettel einfach einem Polizisten, der malt mir dann die Zahl 38 auf den Zettel. Also nichts wie hin zu Schalter 38, dort bekomme ich dann schnell meine Bahnsteigkarte. Kostet übrigens 1 Juan oder so.

In der Schalterhalle:
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Ich muss wieder aus der Schalterhalle hinaus...
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...und wo anders hinein. Von dort geht es dann über diese Rolltreppen zu den Bahnsteigen:
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Die Anzeigetafel:
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Es werden übrigens nicht Bahnsteige, sondern „waiting lounges“ angezeigt. Bahnfahren in China läuft nämlich etwas ähnlich ab wie Fliegen: Beim Eingang in den Bahnhof wird das Gepäck durchleuchtet (falls man eines hat, ich hatte jetzt keines) und geschaut, ob man eine Fahr- oder Bahnsteigkarte hat. Letzteres wird allerdings nicht übertrieben genau gemacht, vor allem nicht bei Touristen. Danach geht man zur jeweiligen Wartelounge, die sich hier in einem Quergang über den Bahnsteigen befindet. Erst wenn der Zug bereitgestellt ist, kann man zum Bahnsteig. Beim Abgang von den Lounges zu den Bahnsteigen werden die Fahrkarten kontrolliert.

Die grossen chinesischen Bahnhöfe haben quasi ein Einbahnsystem für Fahrgäste, d.h. ankommende Fahrgäste werden über andere Unter- oder Übergänge als die abfahrenden Fahrgäste von den Bahnsteigen hinaus geleitet.

Im Verbindungsgang über den Bahnsteigen:
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Mit der Bahnsteigkarte ist es dann auch kein Problem zu den Bahnsteigen zu gelangen und dort frei herumzuspazieren. Fotografieren ist auch absolut kein Problem.

Übersicht über die Gleisanlagen:
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Die K-Züge sind rot-grau lackiert. Rechts Zug K177 um 13:40 nach Yinchuan (nein, ich kann kein Chinesisch lernen, aber anhand der Zugnummer lässt sich im Thomas Cook Fahrplan die Zieldestination herausfinden):
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Blick Richtung Osten:
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DF11 0421 mit einem anderen K-Zug:
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E-Lok SS7E 0067 mit einem T-Zug:
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Auch Zeitungen fahren in China mit der Bahn:
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Diese Farbgebung ist typisch für die T-Züge:
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SS7E 0065 und 0067 nebeneinander:
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Nochmal SS7E 0067:
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Der interessante Wagenübergang:
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Waggonbeschriftung: Yingwoche (hard-sleeper), Serie 25:
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Zuglaufschild von Zug T152/151 Xi Ning – Beijing Xi.
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Anzeige am Bahnsteig – Zug T151 nach Xining um 14:23 und Zug T29 nach Guangzhou um 13:28:
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E-Lok SS8 0080:
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E-Lok SS8 0078:
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Wieder im Bahnhof:
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Das ist übrigens mein Fahrrad:
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Das gibt es wohl auch nur in China: Nach Richtungen getrennte Fahrstreifen für Radfahrer:
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Auf der Rückfahrt begehe ich dann noch eine kulinarisch Sünde – aber zumindest einmal muss man schon in einem chinesischen McDonalds gewesen sein:
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Ich mache dann noch ein bisschen die Gassen in der Nähe des Hostels unsicher: Vor Geschäften für Kleidung stehen oft Verkäufer und preisen ihre Sonderangebote mit Tafeln lautstark an:
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Nachdem ich das Fahrrad zurückgegeben habe, schaue ich noch kurz in ein Internetcafe und dann zurück ins Hostel, wo ich Florian treffe. Ich dusche mich noch schnell, gegen 18:00 fahren wir mit dem Taxi zum Hauptbahnhof, wo wir Anja, Doreen und Veronika treffen.

Beim Eingang wird unser Gepäck durchleuchtet. Mit einem Rucksack ist das leider etwas mühsam, Rucksack runter auf das Band, nach der Durchleuchtung wieder rauf. Uff.

Anzeige der vier Z-Züge nach Schanghai: 19:00, 19:07, 19:14 und 19:21:
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Während wir warten, spaziere ich ein bisschen herum und finde noch einen anderen Schalter für Ausländer. Der Versuch, dort Fahrtkarten für Schanghai – Xian und Xian – Urumchi zu kaufen, schlägt erwartungsgemäss fehl, aber fragen kostet ja nichts. Und zumindest kann ich hier ein chinesisches Kursbuch kaufen.

Schliesslich können wir dann zu unserem Zug. Hier noch mal die Fahrkarte:
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Der Fahrplan:
+-----------------------------------+-----------+-----------+----------+
| Bahnhof | Ankunft | Abfahrt | Zug |
+-----------------------------------+-----------+-----------+----------+
| Beijing km 0 | | 19:43| T109 |
| Xuzhou km 814 | 02:56| 03:04| |
| Changzhou km 1298 | 07:37| 07:40| |
| Wuxi km 1337 | 08:06| 08:09| |
| Shanghai km 1463 | 09:15| | |
+-----------------------------------+-----------+-----------+----------+



Die Schaffnerin sammelt unsere Fahrkarten ein und gibt uns stattdessen Plastikjetons, deren Zweck wir aber nicht herausfinden. Wir deponieren das Gepäck in unserem Abteil und machen uns dann auf den Weg zum Speisewagen. Dort ist leider noch kein Betrieb....
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...weshalb wir kurz nach der Abfahrt mit mehr Erfolg zurückkehren. Das Bestellen ist etwas kompliziert, denn die Speisekarte ist nur auf chinesisch. Aber mit Sprachführer und Deuten auf gut aussehende Speisen anderer Gäste gelingt es dann doch...
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Auf dem Rückweg sehe ich mir die Waggons etwas genauer an:

Laufschriftanzeige im Waggon:
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Übergang zwischen zwei Waggons:
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Blick ins Schaffnerabteil:
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Seitengang in einem Hardsleeper-Waggon:
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Es gibt keine Türen zwischen Abteil und Gang.

Im Einstiegsbereich:
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Hier gibt es an der Wand Markierungen für 1,1 und 1,4 Meter Körpergrösse. Die Kinderermässigungen sind in China nämlich nicht alters- sondern grössenabhängig. Bis 1,1 Meter gratis, darüber und bis 1,4 Meter Halbpreis.

Tür:
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Mein Bett:
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Die chinesischen Waggons sind im Gegensatz zu unseren 6er-Liegewagen hoch genug, um am untersten Bett bequem sitzen zu können auch wenn das mittlere heruntergeklappt ist. Wir sind übrigens die einzigen Ausländer in unserem Waggon. Auf dem Weg in den Speisewagen haben wir aber in einem Softsleeper-Waggon ein paar andere „Langnasen“ gesehen.
Das sechste Bett in unserem Abteil bleibt anscheinend leer. Zuerst war irgendwer da, dann aber war der aber verschwunden und die Schaffnerin hat ihn gesucht. Keine Ahnung, was da los war.
Wir bekommen aber dann doch noch Gesellschaft von zwei Studentinnen aus Schanghai, die mitbekommen haben, dass ein paar Abteile weiter Ausländer mitfahren und sich gleich zu uns gesellen und ihr Englisch ausprobieren wollen. Das war dann noch eine ganz lustige und interessante Unterhaltung.

Irgendwann wird aber das Licht abgedreht und die Nachtruhe beginnt.

Fortsetzung folgt.


Zum Abschluss noch ein paar Linktipps zur chinesischen Eisenbahn:
http://www.railwaysofchina.com/site_map.htm (Übersicht über Fahrzeuge, Neuigkeiten, weitere Links, etc.)
http://www.chinatt.org/ (Fahrplan auf englisch, Vollversion kostenpflichtig, es gibt aber eine interessante Kurzfassung)
http://www.seat61.com/China.htm (allgemeine Infos zu Bahnreisen in China)
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